Urlaub und Krise, das passt überhaupt nicht zusammen. Gemeint sind die Umweltkrise und die Biodiversität. Am Beispiel der Tourismusbranche zeigt sich, wie schnell sich Unternehmen vordergründig mit den Begriffen „Umwelt“ „nachhaltig“ und “Klima“ schmücken können. Aber Tourismusunternehmen, die ein individuelles Konzept entwickeln und es auch gezielt umsetzen, können in der Außenwirkung gewinnen. Dies ohne Schaden für das Unternehmen, aber mit einer positiven Bilanz für die Natur. Der aktuelle Leitfaden, den der WWF anlässlich der UN-Weltnaturschutzkonferenz in Armenien veröffentlicht hat, zeigt, wo Tourismus der Natur schadet: von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.

Grafik: Es ist ein grundlegender Wandel der Wirtschaft für das Erreichen der globalen Naturschutzziele 2030 notwendig Anlässlich der UN-Weltnaturschutzkonferenz in Armenien hat die Umweltorganisation WWF Deutschland einen Leitfaden für eine Biodiversitätsstrategie in der Tourismusindustrie vorgelegt.
Grundlegender Wandel der Wirtschaft für das Erreichen der globalen Naturschutzziele 2030 notwendig
Berlin, 28.10.2026: Anlässlich der UN-Weltnaturschutzkonferenz in Armenien hat die Umweltorganisation WWF Deutschland einen Leitfaden für eine Biodiversitätsstrategie in der Tourismusindustrie vorgelegt. Um die vereinbarten globalen Naturschutzziele noch zu erreichen, braucht es mehr Tempo und einen grundlegenden Wandel. Und auch die Tourismusbranche muss Verantwortung übernehmen: Kaum eine Branche wirbt so stark mit intakter Natur und kaum eine hat ihren Schutz so selten strategisch verankert. Mit einer individuellen Strategie und mithilfe dieses Leitfadens können Tourismusunternehmen ihre Auswirkungen auf die Natur systematisch erfassen und verringern.
„Die Tourismusbranche muss sich aktiv für die Natur einsetzen, statt nur mit ihr zu werben“, sagt Martina von Münchhausen, Expertin für nachhaltigen Tourismus beim WWF Deutschland. Der Tourismus lebt von der Natur und setzt sie zugleich unter Druck: Viele Auswirkungen entstehen nicht direkt am Urlaubsort, wo die Gäste sie sehen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, etwa beim Abbau von Rohstoffen für den Bau von Hotels und touristischer Infrastruktur, der Herstellung von Produkten oder bei der Entsorgung. Hinzu kommen Ressourcenverbrauch, Abfälle und Abwässer.
Was der Gast nicht sieht
„Die Biodiversitätskrise verläuft still und leise – auch im Urlaub“, so von Münchhausen. „Für viele Lebensmittel auf den Hotelbuffets werden Wälder gerodet, die Landnutzung intensiviert und der Fischfang ausgedehnt. Für neue Hotels verschwinden wertvolle Naturflächen und mit ihnen die Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Die Gäste sehen davon nichts. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach macht ein Hotel noch nicht nachhaltig.“
Im Mittelpunkt stehen die fünf Haupttreiber als Ursachen des Biodiversitätsverlusts: die Zerstörung von Lebensräumen an Land und im Meer, die Übernutzung natürlicher Ressourcen, der Klimawandel, die Verschmutzung der Umwelt und die Ausbreitung invasiver Arten. Die Unternehmen prüfen, welchen Anteil ihr Geschäft daran hat – auch dort, wo der Zusammenhang nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Daraus leiten sie konkrete Maßnahmen ab. Dabei geht es in erster Linie nicht um Risiken für die Unternehmen, sondern um deren Auswirkungen auf die Natur.
Einzelne Umweltmaßnahmen reichen nicht aus
Biodiversität muss fest in der Unternehmensstrategie verankert und bei allen wichtigen Entscheidungen mitgedacht werden – vom Einkauf bis zum Bau neuer Hotels. Der Leitfaden zeigt: „Jedes Reiseunternehmen kann anfangen, egal wie groß es ist. Wichtig ist, jetzt zu handeln“, sagt von Münchhausen. „Wer die Natur schützt, schützt das eigene Geschäftsmodell.“
Hintergrund:
Erprobt wurde der Leitfaden im Rahmen des Branchenprojekts „Biodiversität im Tourismus“ der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris. Gemeinsam mit den fünf Tourismusunternehmen Chamäleon, Dertour Group, Schauinsland Reisen, TUI Cruises und TUI Group sowie der Nachhaltigkeitsberatung mascontour hat der WWF die wichtigsten Schritte in Workshops und Coachings getestet. Auf dieser Grundlage haben die Unternehmen eigene Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne erarbeitet.
Link zum Leitfaden
Quelle WWF
Grafik: KI, Krumstroh 28.10.2026
