MOREFUTURE: Es ist ein wichtiges Thema, das weite Bereiche der deutschen Wirtschaft betrifft und Unabhängigkeit von Einfuhr-Rohstoffen verspricht. Die Bundesregierung hat nun entschieden. Wenn man aber auf die Statements des WWF achtet, geht diese Entscheidung nicht weit genug. Es ist zu allgemein und zu wage und bleibt hinter den Erwartungen der Strategie zurück.

Mehr Kreislaufwirtschaft stärkt Industrie und Umweltschutz in Deutschland

Informationen der Bundesregierung:

Bundesregierung beschließt Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Das Bundeskabinett hat aktuell ein Aktionsprogramm beschlossen, mit dem die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland beschleunigt werden soll. Bis Ende 2027 treibt die Bundesregierung zwölf Maßnahmen voran, die die deutsche Wirtschaft in einem Schlüsselbereich stärken werden. Wesentliche Elemente des Programms sind die Umsetzungsplattform für Innovation und neue Projekte sowie das Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“. Des Weiteren startet die Bundesregierung eine Digitalisierungsinitiative für die Kreislaufwirtschaft, stärkt den Stellenwert von Recyclingprodukten in der öffentlichen Beschaffung und entwickelt das Kreislaufwirtschaftsrecht weiter. Bis 2029 sind für die Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie insgesamt 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) eingeplant.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: „Das Aktionsprogramm für die Kreislaufwirtschaft ist gut für die Umwelt und gut für die Zukunft der Wirtschaft. Deutschland ist ein Land mit wenig eigenen Rohstoffen. Darum sollten wir die Rohstoffe wiederverwenden und wiederverwerten – das ist Kreislaufwirtschaft. Die Unternehmen dahinter bilden heute eine kraftvolle Branche und belegen weltweit Spitzenpositionen. In der aktuellen Weltlage gilt mehr denn je: Kreislaufwirtschaft macht unsere Wirtschaft unabhängiger. Sie schützt unsere Unternehmen, wenn internationale Lieferketten brüchig werden oder Handelswege blockiert sind. Und sie stärkt die Innovationskraft deutscher Unternehmen in Märkten, die deutlich mehr als andere wachsen.“

Zentrale Elemente des Aktionsprogramms:

  • Umsetzungsplattform für Innovation und neue Projekte: Unternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sollen auf der Umsetzungsplattform Partner für neue Projekte finden, Wertschöpfungsketten und privates Kapital mobilisieren. So können neue Wertschöpfungsketten für das Recycling von Batterien oder Bahnschienen entstehen. Die Plattform soll im Herbst 2026 ihre Arbeit aufnehmen, um die strategische Weiterentwicklung Deutschlands zu einer Kreislaufwirtschaft zu unterstützen.
  • Förderung von Investitionen und Innovationen: Ein neues Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“ bietet ab Ende 2026 Unterstützung für innovative Produktionsverfahren, die Wiedergewinnung kritischer Rohstoffe und digitale Anwendungen. Dadurch werden Umwelt- und Industriepolitik verzahnt und die Potenziale der Kreislaufwirtschaft z. B. bei innovativen Recyclinganlagen und Start-Up-Unternehmen mit zirkulären Geschäftsmodellen gefördert.
  • Öffentliche Beschaffung: Unternehmen mit mehrheitlicher Bundesbeteiligung werden das jährliche Auftragsvolumen für Recyclingprodukte kontinuierlich steigern. Damit das gelingt, wird die Bundesregierung zeitnah bestehende regulatorische Hemmnisse abbauen, Verfahren vereinfachen und vereinheitlichen.
  • Digitalisierungsinitiative: Über eine neue Initiative sollen unter anderem digitale Produktpässe, neuen Datenräume und KI-Anwendungen vorangetrieben werden.
  • Weiterentwicklung Kreislaufwirtschaftsrecht: Teil des Aktionsprogramms sind auch rechtliche Verbesserungen, wie z.B. ein neues nationales Textilgesetz sowie das angestrebte Verbot von elektronischen Einweg-Zigaretten, die Novellen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, des Verpackungsrechts und der Ersatzbaustoffverordnung. Deutschland bringt sich zudem maßgeblich in die Verhandlungen um ein neues Kreislaufwirtschaftsgesetz auf EU-Ebene sowie das UN-Plastikabkommen ein.

Der Abbau von Rohstoffen verursacht hohe Kosten – für Umwelt, Mensch und Wirtschaft. Eine Wirtschaftsweise, die immer mehr neue (primäre) Rohstoffe braucht, ist deshalb auf Dauer weder ökonomisch und ökologisch noch sozial tragfähig. Um unsere klima- und umweltpolitischen Ziele zu erreichen, ist der Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft zentral – gleichzeitig eröffnet sie große wirtschaftliche Chancen.

Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) aus dem Jahr 2024 folgt dem Leitbild, den Wert von Rohstoffen und Produkten möglichst lange zu erhalten, Materialien sparsam zu verwenden und solange wie möglich im Kreislauf zu führen. So stärkt sie letztlich die Resilienz und Innovationskraft des Industriestandortes Deutschland.

Weitere Informationen

Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) https://www.bundesumweltministerium.de/download/aktionsprogramm-der-bundesregierung-zur-umsetzung-der-nationale-kreislaufwirtschaftsstrategie

Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)

https://www.kreislaufwirtschaft-deutschland.de

Statement des WWF zum Aktionsprogramm der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Mehr Recycling reicht nicht

WWF fordert vor Kabinettsbeschluss: Verbindliche Ziele und Maßnahmen zur Senkung des Ressourcenverbrauchs gehören ins Aktionsprogramm

Am Mittwoch, den 3.6.2025 hat die Bundesregierung das Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) im Kabinett beschlossen. Der WWF fordert deutliche Nachbesserungen: Nach den bislang bekannten Inhalten setzt das Programm vor allem auf Recycling, Innovationsförderung und Digitalisierung. Verbindliche Ziele und konkrete Schritte, um den Verbrauch primärer Rohstoffe in Deutschland tatsächlich zu senken, fehlen. Deutschland verbraucht zu viele Rohstoffe – mit fatalen Folgen für Klima, Biodiversität und die Versorgungssicherheit der Wirtschaft.

„Kreislaufwirtschaft bedeutet mehr als bessere Rohstoffversorgung. Wir müssen Ressourcen insgesamt deutlich sparsamer einsetzen und Produkte länger nutzen“, sagt Rebecca Tauer, WWF-Teamleiterin Circular Economy. „Das Aktionsprogramm kann ein wichtiger erster Schritt sein. Damit es nicht bei Ankündigungen bleibt, muss die Bundesregierung jetzt nachschärfen: Es braucht klare Reduktionsziele, einen verbindlichen Rahmen und wirtschaftliche Anreize, die langlebige Produkte und Wiederverwendung zur ökonomisch besseren Option machen.“

Der WWF sieht drei zentrale Lücken, die das Programm schließen muss:

Erstens: Verbindliche Reduktionsziele und gesetzliche Verankerung. Wie viel weniger primäre Rohstoffe will Deutschland verbrauchen? Bis wann? Hier braucht es klare Zielwerte, sektorale Zielpfade — insbesondere für Bau, Fahrzeuge und Verpackungen — und eine perspektivische gesetzliche Verankerung, die die Umsetzung der Strategie dauerhaft absichert. „Ohne verbindliche Ziele und einen klaren Rahmen verpuffen die Maßnahmen“, warnt Tauer.

Zweitens: Vorrang für Vermeidung, Wiederverwendung und Reparatur. „Vermeidung, Reparatur und Wiederverwendung haben deutlich höhere ökologische Wirkung als Recycling. Diese Hierarchie muss sich auch in den konkreten Instrumenten wiederfinden“, so Tauer. Dazu gehören Wiederverwendungsziele für ausgewählte Produktgruppen wie Verpackungen, Textilien und Elektronik, klare Anforderungen an Langlebigkeit und Reparierbarkeit im Produktrecht — und im Bausektor der konsequente Vorrang von Bestandserhalt und Sanierung gegenüber Neubau.

Drittens: Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die zirkuläres Wirtschaften belohnen. Solange Primärrohstoffe günstiger sind als Sekundärmaterialien, bleibt die Kreislaufwirtschaft strukturell benachteiligt. „Förderprogramme allein reichen nicht. Wir brauchen Preissignale, die Ressourcenverschwendung verteuern und zirkuläre Geschäftsmodelle wirtschaftlich attraktiver machen“, sagt Tauer. Konkret fordert der WWF eine ambitionierte Ökomodulation in der erweiterten Herstellerverantwortung, reduzierte Mehrwertsteuersätze für Reparaturen sowie für Second-Hand- und Refurbished-Produkte, die Prüfung materialbezogener Abgaben auf besonders ressourcenintensive Primärrohstoffe und den Abbau umweltschädlicher Subventionen wie der steuerlichen Begünstigung von Dienstwagen.

Einzelne Bausteine des angekündigten Programms gehen aus WWF-Sicht in die richtige Richtung — etwa die geplante Investitionsförderung „Zukunft Kreislaufwirtschaft“, die Stärkung der öffentlichen Beschaffung, sowie die geplante Umsetzungsplattform mit Wirtschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft. „Damit diese Hebel wirken, müssen sie ambitioniert ausgestaltet und mit verbindlichen Zielen unterlegt werden. Sonst bleibt das Aktionsprogramm hinter dem Anspruch der Strategie zurück“, so Tauer.

Hintergrund
Ein detailliertes Statement des WWF zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie finden Sie unter: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Politik/WWF-Statement-NKWS-Umsetzung.pdf