Stimmungsbericht:

Werksschließungen in Deutschland, Stellenabbau, tausende Jobs werden in Deutschland verloren gehen. Manche schwerwiegende Folgen sind absehbar, andere werden sich erst in den kommenden Jahren offenbaren. Sicher ist, dass die aktuelle negative Entwicklung von VW und der Automobilindustrie grundlegende Folgen für die deutsche Wirtschaft und für einige Regionen haben wird. Dies ist der aktuelle Stand bei VW, wobei nach Redaktionsschluss die Information reinkam, dass kurzfristig 40.000 Stellen abgebaut werden könnten.

Betroffen sind die Werke Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. In Zwickau und Emden soll die Produktion 2031 auslaufen, bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover 2032 und 2034 bei Audi in Neckarsulm. Alles in allem stehen, so inoffizielle Aussagen, in den kommenden Jahren 130.000 Arbeitsplätze vor dem Aus.

Bereits vor Monaten standen sich bei VW die Arbeitgeber und -nehmer in Verhandlungen gegenüber. Interessant ist dabei, dass über den aktuellen Stand verhandelt wurde und offenbar beide Seiten sehen wollte, wohin sich die Märkte definitiv entwickeln werden. Zugegeben, dass die USA diesen Weg gehen würden, war so nicht absehbar und kam erschwerend hinzu. Aber dass die Entwicklung vom Verbrenner wegführen würde, war weltweit seit Jahren klar. Auch dass China seinen Markt in der aktuellen Form ausrichten würde und diese Entwicklung für deutsche Anbieter langfristig nicht die gewohnten Gewinne bringen würde, war offensichtlich. Man hat es, auf Deutsch gesagt, verpennt. Vielleicht ist es auch das System in den leitenden Unternehmensbereichen mancher Konzerne, dass man aktuell alles am Laufen hält, sicherheitshalber zwei bis fünf Jahre vorausschaut und dann das Feld rechtzeitig anderen Entscheidern überlässt. Die müssen dann schauen, wie es weitergeht, bzw. was für wen in den leitenden Funktionen noch möglich ist. Der VW-Konzern ist groß, und es ist wahrscheinlich, dass dieses Szenario, das vielerorts bestritten wird, hier zumindest in Teilen angewendet wird.

Merke dazu: Der Kapitän auf einem beschädigten Schiff hat in der Regel alle Hände voll zu tun, um alles am Laufen zu halten, und nebenher keine Zeit für irgendwas anderes. Der Eigner muss sich entscheiden, ob er überhaupt zur letzten Fahrt mit hinausfährt oder lieber am sicheren Ufer bleibt, ob er mitfährt, aber sein Rettungsboot stets griffbereit hat, oder ob er dem Kapitän mit der Crew ehrliche Unterstützung für weitere Fahrten auf neuen Routen an neue Ziele leistet.

Auch die Mitarbeiter konnten sich wohl in früheren Verhandlungen nicht vorstellen, dass es so schnell und so hart kommt. Sie hätten dem Führungspersonal viel früher noch intensiveren Druck machen müssen. Stattdessen wurde vom Konzern noch vor wenigen Monaten mit guten Zahlen geprahlt, obwohl man das kommende Szenario bereits am Horizont erkennen konnte.

Wir dürfen also gespannt sein, wie sich die Betriebsräte behaupten, wie sich der Aufsichtsrat in den kommenden Tagen positioniert und welches Bild er für den zukünftigen Konzern skizziert. Sicher wird über die Reduktion von Modellen und Modellvarianten gesprochen. Auch die Vergabe der Produktionsanlagen an chinesische Unternehmen wird diskutiert. Dominant über allem wird das Thema Werkschließungen pendeln. Offen ist auch die Frage, ob die Werkschließungen die erhofften 9 bis 10 Prozent Einsparung erreichen wird.

Man kann davon ausgehen, dass diese Themen auf allen Ebenen bis hinauf in den Aufsichtsrat kontrovers diskutiert werden. Das Land Niedersachsen und die Familie Porsche/Piëch als Anteilseigner, die sich bisher noch nicht geäußert haben, werden die Diskussion entscheidend prägen.

Wir können nur spekulieren, welcher Weg im Detail beschritten wird. Und wir können nur hoffen, dass die Planungen eine vernünftige Strategie für die nächsten Jahre enthalten und die Führung achtsam und verantwortungsvoll agiert. Zeit für eine Strategieplanung hatte man genug. Alle Beteiligten sollten realistisch agieren und der Zukunft weniger selbstverliebt mit rosaroten Brillengläsern entgegenblicken. Positive und auch negative Vorbilder gibt es genug. Andere, früher einzigartige und große Konzerne mit einer vergleichbaren Geschichte existieren heute nicht mehr oder grundlegend anders. Automobilstandorte wie Chicago erzählen diese wechselhafte, teils traurige Geschichte.

Text UK

Grafik UK, KI generiert 13.07 2026